Cabaret RENZ

Ein Projekt des Vereins

Open Source


„Verein zur Förderung und Präsentation subkultureller, urbaner Kunst- und Kulturprojekte und der Creative Industries“

Das Cabaret Renz, Wiens Ältester Nachtclub erlebt eine Renaissance

Das Cabaret Renz in der Zirkusgasse 50 im zweiten Wiener Gemeinde Bezirk gilt als ein Stück Geschichte. Wienern über 30 ist es ein Begriff als High- Society Treff der 70er. Betrieben von der Familie Kratochwil, wurden neben erotischen Bühnenperformances, Stars wie Josefine Baker, Omar Sharif, Ringo Starr und Ernst Waldbrunn präsentiert. Das seit 1954 bestehende Cabaret – Varieté gilt auch als Wiens erster Nachtclub, auch wenn sich seine Geschichte der letzten 50 Jahre schwer von den Kreisen des Rotlichtmilieu trennen lässt. Nach dem Ableben des Herren Kratochwil Ende der 80er Jahre führte „la grande dame“ Maria Kratochwil das Lokal bis zum Jahre 1992 im altem Stil weiter.
Aus gesundheitlichen Gründen wurde das Cabaret Renz einer Freundin anvertraut.
Über die 90er Jahre erfuhr das Renz eine wachsende Vernachlässigung des Variete- und Revueprogramms. Laut Anwohnern und Kennern tat dies jedoch der Magie des Ortes keinen Abbruch, bis dessen Betrieb im Jänner 2004 eingestellt wurde. Durch schicksalhafte Zufälle wurde ein junges Team aus Veranstaltern und Kreativen auf die Räumlichkeiten aufmerksam und gründeten den Verein Open Source. Ihr Ziel ist es, dem Etablissement zu altem Glanz zu verhelfen und wichtige Impulse für die Jugend- und off Kultur zu setzen.

Der Verein Open Source und seine Vision

Das Künstlerkollektiv um das Cabaret Renz und der damit verbundene Verein Open Source, fördert die subkulturellen Strömungen einer immer mehr zusammen- wachsenden Welt. Es gilt diese in anschaulicher Weise begreifbar und erfahrbar zu machen. Ziel ist es, für diese kulturellen Ausdrucksformen, Verständnis zu erlangen, deren künstlerisches Schaffen zu präsentieren und deren zukunftsweisende wirtschaftliche Bedeutung, im Zusammenhang mit der Creative Industrie aufzuzeigen. Subkulturen widerspiegeln Konsistenz gesellschaftlicher Strömungen, ohne kommerzielle Bedeutung zu erlangen. Bedacht zu nehmen sei hierbei auf die Vielschichtigkeit dieser Mikrokulturen und deren multimediale Kommunikationsformen im künstlerischen Kontext. Fokussiert wird in weiterer Folge auf Randströmungen des main-streams, der sogenannten „off culture“.
Der urbane Rahmen, den die Metropole Wien schafft, lässt diese Kulturen nebeneinander verweilen. Hier soll eine Brücke geschlagen werden, die subkulturelle Kreise in produktiven Diskursen verbindet um zu neuen kulturellen Anknüpfungspunkten zu finden. Die daraus resultierende „off art“, präsentiert diese nicht kommerziell vertretenen Positionen, welche sich als kontrovers und extrem darstellen.In weiterer Folge gilt es sowohl diese neuen, als auch schon bestehenden Kunst-/ Kulturnetzwerke in einen internationalen Kontext zu bringen um somit der Stadt Wien als Kunst- & Kulturmetropole internationalen Anschluss zu gewährleisten. Die Arbeit des Vereins, die sich im eigentlichen Sinn auf die Unterstützung und Präsentation von Projekten beschränkt, soll auf indirekten Weg neue kooperative Möglichkeiten der direkt und indirekt Beteiligten schaffen, um deren wirtschaftliche Eigenständigkeit zu fördern.
Als Konzentrationspunkt der fortlaufenden Arbeit sollen Veranstaltungen die geleistete Arbeit bündeln und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


Konzept Veranstaltungen

Die Gesamtfläche des Veranstaltungsraumes umfasst 230m², eine 7m lange Bar und eine 6m breite Bühne. Neben elektronischen Musikkonzerte der heimischen und internationalen DJ Szene werden Tanz, Theater, Kino und Performances präsentiert. Unterstützt werden junge Musiker als auch Produzenten der internationalen Szene. Durch eine gestaffelte Risikoübernahme zwischen dem Verein und dem Veranstalter, kann jedem Konzept Platz geschaffen werden. Die Programmierung, Koordination und Setzten von künstlerischen Maßstäbe, wird vom Verein Open Source geführt.
Nach nur drei Monaten Aktivität kann man schon auf einen großen Pool an Künstlern zurückgreifen, die im und um das Renz ihr Schaffen präsentiert haben.

Cabaret Renz – History

Die Anfänge

Der Name Renz kursiert in der Leopoldstadt schon seit gut 150 Jahren. 1853 ließ nämlich ein gewisser Ernst Jacob Renz eine beeindruckende Zirkusarena unweit des heutigen Renz errichten. Sie fasste fast 4000 Personen und war eine Attraktion für jung und alt, etliche der hier gezeigten Tricks und Nummern waren artistische Sensationen.
Zu dieser Zeit war die Gegend um die Praterstraße ein kulturelles Zentrum, man bezeichnete sie etwa auch als Broadway von Wien.
In den 1930er Jahren wurde das Zirkusgeschäft unstabiler, die Direktoren wechselten am laufenden Band und der Zirkus wurde zum Renz Variete umgetauft. Auch in den Kriegsjahren wurde der Betrieb am laufen erhalten (die Nazis versuchten sich natürlich auch in propagandistischer Einflussnahme auf das Gezeigte), bis das imposante Gebäude bei den verheerenden Luftangriffen im Dezember 1944 durch Brandbomben völlig zerstört wurde. Geraume Zeit später begann die Beseitigung der Trümmer und der Wohnblock Renzhof wurde aus dem Boden gestampft. Nur einen Steinwurf weiter begannen die Wiederaufbauarbeiten am ebenfalls beschädigten Haus Zirkusgasse 50, an der Kreuzung mit der Novaragasse.
Die schwer angeschlagene Gegend begann nun einen eher zwielichtigen Ruf zu genießen, die Revuen in Verbindung mit einem Überangebot an käuflicher Liebe versuchten die Trostlosigkeit der Nachkriegsjahre zu nutzen.
Einzig der ehemalige Renz Kellner Hans Kratochwil und seine Frau Maria, eine gelernte Modistin, hatten Mitte der 50er Jahre höhere Ansprüche an ihr Etablissement. Ihr Cafe Renz im Eckhaus verkaufte kein Bier, war ganz schön teuer und wurde durch die betont adrette Aufmachung der Animierdamen sowie höhere ästhetische Ansprüche an die Shows zu einem Hort der Exklusivität.

Goldene Jahre

Die 60er und 70er wurden dann zu den goldenen Zeiten des mittlerweile in Cabaret Renz umbenannten Nachtclubs. Etliche vergilbte Fotos zeugen von den Persönlichkeiten die hier den Varietedarbietungen beiwohnten oder gar selber auf der Bühne standen. Helen Vita, Ringo Starr, Lilli Marlen, Dean Martin, Omar Sharif , Truman Capote oder Robert und Einzi Stolz, sowie Unmengen an lokalen Bühnen-, Rasen-, Pistenhelden und Adabeis wohnten den Darbietungen der Akrobaten, Transvestiten, Magier, Schlangenmädchen und Stripperinnen bei. Im Herbst 1968 gab auch die zur Grande Dame gereifte legendäre Josefine „Ma“ Baker ein Gastspiel, Marlene Dietrichs Engagement fiel leider einem Agenturstreit um Provisionen zum Opfer.
Natürlich wollten nicht alle Gäste hier fotografiert werden, die Spitzen der Politik und Unterwelt die hier auf wunderbare Weise zusammentrafen schätzten eher die Diskretion der unterschiedlichst dimensionierten Separees im Hause.
Mehr über das Cabaret Renz, dem noch nie ein Buch oder sonstige Publikationen gewidmet wurden, zu erfahren, ist gar nicht so leicht. Doch fast jeder Wiener kennt irgendein „Gschichtel“ über das gute alte Renz und so ergibt sich ein faszinierendes Mosaik. Von Schlägereien, Schießereien oder fatalen Enden (Sperrstunde war über lange Zeit erst um sieben Uhr) feuchtfröhlicher Abende hört man. Aber auch von unvergesslichen Revue Highlights im eindrucksvollen Showraum mit der einstmals hydraulischen Tanzfläche.
Die bekannte Kunstpfeiferin Baroness Lips von Lipstrill war hier viel umjubelter Conferencier, nachdem sie vom Weltkriegsoffizier Rudolf Schmidt zum internationalen Revuestar Jeanette „geschlechtlich angepasst“ wurde (sie verstarb im März 2005 und verbrachte ihren Lebensabend in der Zirkusgasse, unweit des Renz). Andere Impressionen reichen von den abenteuerlichen Fluchtwegen für heikle Situationen zu den Fußabdrücken gelenkiger Mädchen an der Decke über der Tabledance-Stange. Leichte Mädchen verschütten schwer alkoholhaltiges hinter den Sitzlogen, durch den Dunst nimmt man die böhmische Gastarbeiterkapelle wahr, die ihre Instrumente angeblich an Nylonschnüren hängen hat, um bei der Playbacknummer nicht zu viel Energie zu verschwenden. Man verlässt das Etablissement um einige 1000er leichter

Talfahrt

Ebendiese Preispolitik sowie das generelle Aussterben des Revue- und Varietelebens wurden dem Renz allerdings langsam aber sicher zum Verhängnis.
Die sagenumwobene Grande Dame Maria Kratochwil (über die kein Zeitzeuge ein schlechtes Wort verliert) schwelgte in Luxus und hatte in Niederösterreich ein Anwesen mit etlichen Bediensteten, ihr Mann erstand Immobilien wie etwa das Riesenrestaurant auf dem Cobenzl.
Anfang der 90er verstarb Hans Kratochwil, auch Maria begann es gesundheitlich schlechter zu gehen. Sie zog sich aus dem Etablissement mehr und mehr zurück und verpachtete ihr „Lebenswerk“ an einige wenig erfolgreiche Geschäftsführer/innen.
Das Cabaret Renz drohte als etwas überteuertes und gar nicht mehr so schickes Bordell seine Magie einzubüssen.
Im Dezember 2003 fiel dann tatsächlich der letzte Vorhang, zurück blieben Mietrückstände und verschiedenste Dokumente sowie Bilder aus besseren Tagen.
Fast wirkte der Ort wie fluchtartig verlassen, Maria Kratochwil soll zwar Nahe der Zirkusgasse leben, bleibt aber untergetaucht. Obwohl sie zu diesem Mosaik um den Mythos Cabaret Renz wohl noch einiges hätte beitragen können.
Im November 2004 wurde in dieser Geschichte auf jeden Fall ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen…